Selbst erfahrene Karibikreisende entdecken auf Anegada immer wieder Überraschungen. Hier finden Sie Geschichten, Statistiken und Wissenswertes, die Einheimische gerne teilen und die man in Standard-Reiseführern selten findet.
1. DAS LAND UND SEINE GESCHICHTE
Anegada gehört zu den Britischen Jungferninseln. Die präkolumbischen Bewohner – Arawak, Taíno und Kalinago/Kariben – hinterließen ein bleibendes sprachliches Erbe: Wörter wie Hängematte, Hurrikan, Barbecue, Kanu, Savanne, Tabak, Kartoffel und Mais stammen alle aus indigenen karibischen Sprachen. Nach Kolumbus’ Reisen ab 1492 wurden die Inseln nach und nach von Spanien, England, Frankreich, den Niederlanden und (kurzzeitig) Dänemark kolonisiert. Die Spuren der Kolonialzeit prägen die Karibik noch heute – Währung, Sprache, Küche, Rechtssystem, Verkehrslage und Architektur spiegeln wider, welche europäische Macht die Insel am längsten beherrschte.
2. SKLAVEREI UND BEFREIUNG
Die karibische Zuckerwirtschaft des 17. Bis 19. Jahrhunderts basierte auf versklavten Afrikanern, die über den Mittelpassage verschleppt wurden. Die Abschaffung der Sklaverei erfolgte in verschiedenen Kolonien zu unterschiedlichen Zeiten: Französische Karibik 1848, Britische Karibik 1834–38, Niederländische Karibik 1863, Amerikanische Jungferninseln 1848 (unter dänischer Herrschaft), Kuba und Puerto Rico 1873–86 (unter spanischer Herrschaft). Die heutige Bevölkerung, Küche, Musik und Religion sind stark vom afrikanischen Erbe geprägt – und der Tag der Abschaffung der Sklaverei ist nach wie vor ein wichtiger Feiertag in der gesamten Region.
3. DIE BILLIGKEITSFLAGGE
Mehrere karibische Staaten betreiben Schiffsregister, unter denen Tausende von Schiffen weltweit registriert sind – was erhebliche Einnahmen generiert. Bahamas, Antigua und Barbuda, St. Vincent und Bermuda gehören zu den aktivsten.
4. WETTERINFORMATIONEN
Die Passatwinde wehen das ganze Jahr über stetig von Ost nach West. Deshalb ist es an den karibischen Badeorten an der Westküste (Leeseite) ruhig, während an der Ostküste (Luvseite) die Wellen höher sind. Die Hurrikansaison dauert offiziell vom 1. Juni bis zum 30. November, die Zeit mit dem höchsten Risiko liegt jedoch zwischen Mitte August und Mitte Oktober. Das Karibische Meer ist das wärmste Gewässer im Atlantikbecken (28–30 °C im Sommer), weshalb hier auch so viele tropische Wirbelstürme entstehen.
5. DAS RIFF
Die Karibik beherbergt das Mesoamerikanische Barriereriff (das zweitgrößte der Welt nach dem australischen Great Barrier Reef, das sich von Yucatán bis Honduras erstreckt) und das Andros-Barriereriff (das drittgrößte). Diese Riffe sind durch die Erwärmung der Gewässer, Korallenbleiche, Hurrikanschäden und den Tourismus stark bedroht – besuchen Sie die Karibik verantwortungsvoll (nur riffschonende Sonnencreme verwenden, Korallen nicht berühren, Projekte zum Wiederaufbau der Riffe unterstützen).
6. MUSIK
Fast jede karibische Insel brachte einen weltweit bedeutenden Musikstil hervor: Reggae (Jamaika), Salsa (Kuba und Puerto Rico), Merengue und Bachata (Dominikanische Republik), Zouk (Französische Antillen), Soca und Calypso (Trinidad), Reggaeton (Puerto Rico). Soundsysteme, Karneval, Straßenfeste und Live-Musik sind zentraler Bestandteil des karibischen Kulturlebens.
7. KARNEVAL
Die meisten karibischen Länder feiern jährlich Karneval – oft im Februar/März vor der Fastenzeit, jedoch mit erheblichen Unterschieden. Der Karneval von Trinidad ist der größte in der Karibik und einer der größten weltweit. Die Karnevalstradition vereint afrikanische, europäische und indigene Elemente mit Kostümen, Calypso, Soca, Steelpan und mehrtägigen Straßenfesten.
8. KREUZFAHRT
Die Karibik ist der weltweit größte Kreuzfahrtmarkt – mit rund 30 % der globalen Kreuzfahrtkapazität. Zu den beliebtesten Kreuzfahrthäfen zählen Nassau, Cozumel, St. Thomas, Falmouth (Jamaika), San Juan, Grand Cayman und Philipsburg (Sint Maarten). An Spitzentagen empfangen einige kleinere Häfen 15.000 bis 20.000 Kreuzfahrtpassagiere – diese sollten Sie meiden, wenn Sie einen ruhigen Tag bevorzugen.
9. DAS BLAUE WASSER
Das berühmte Türkis der Karibik entsteht durch weiße Sandstrände, die das Sonnenlicht durch das flache Wasser nach oben reflektieren. Wo der Meeresboden abrupt abfällt (am Rand einer Korallenwand oder in tiefen Meeresgräben wie dem Puerto-Rico-Graben mit 8.376 m Tiefe), färbt sich das Wasser tiefblau.
10. DIE KÜCHE DER DIASPORA
Karibische Einwanderer haben die globale Küche geprägt: Jerk Chicken in London, Doubles in Brooklyn, Conch Fritters in Florida, Fish Fry in Toronto, Ackee und Saltfish in Jamaica-Town überall. Die Diaspora ist, gemessen an der Einwohnerzahl, eine der einflussreichsten der Welt.